Radwandern Serbien – Tipps, Wege

Wir fuhren im August 2013 zum Trompetenfestival nach Guča in Serbien mit dem Fahrrad. Die Tour führte von Belgrad entlang der Donau, auf der rumänischen Seite bis Vidin in Bulgarien, dann zurück durch Serbien bis Guca.

Die Anreise erfolgte für uns von Frankfurt aus mit der Lufthansa bis Belgrad.

Tipp Fahrradtransport im Flugzeug:
Die Lufthansa gibt in ihren Richtlinien für die Fahrradbeförderung zwar ausdrücklich an, für den Transport nichts am Fahrrad zu verändern, was sich in der Praxis als schwierig herausstellte. Beim Rückflug von Belgrad wurden wir selbst hinzugezogen, um die Räder durch die Röntgenanlage zu bewegen. Dies funktionierte aus Platzgründen nur knapp und unter größten Mühen. Es macht daher Sinn, zumindest den Lenker querzustellen, oder, wie bei bei anderen Fluggesellschaften auch, die Pedale abzuschrauben und etwas Luft wegen des Unterdrucks im Flugzeug abzulassen. Wir hatten unser Werkzeug schon eingecheckt, konnten daher nicht mehr am Rad herumschrauben. Man muss sich zudem vor Augen halten, dass das Rad auf der Seite liegend transportiert wird. Empfindlichen Stellen am Rad, wie Schaltung oder Beleuchtung, wird es sicher gut bekommen, wenn dort ein leichter Schutz durch Pappe, abgeklebt z.B. mit dickem Klebeband, angebracht wird. Wir hatten (in Kroatien) schon mal Probleme gehabt, als wir die Räder komplett verpackt und verklebt hatten und Kontrolleure die Räder nicht mehr einsehen konnten.

Serbien als Reiseland für Radwanderer:
Grundsätzlich können wir das Radwandern, nicht nur durch Serbien, nur empfehlen. Man lernte größere Abschnitte eines Landes kennen und kommt oft mit Leuten ins Gespräch. An der Donau begegneten wir schon einigen Radfahrern, allerdings bei weitem nicht so vielen, wie an manchen Flüssen in Deutschland. Wir trafen auch Leute, die bis ins Delta fahren wollten.

In Belgrad gibt es in den Naherholungszonen an der Sava (Zufluss der Donau) zahlreiche Radwege, die auch weit in die Stadt hineinführen. Hier finden sich auch jede Menge Cafés, Discos, Badestrände und Sportanlagen. Die Fährverbindung in die Altstadt am Beginn des Sava-Sees können wir nur empfehlen. Ansonsten ist man auf das Fahren an mehrspurigen Straßen und unter unübersichtlichen Straßenkreuzen angewiesen.

Der Donauradweg ist in Serbien, wie auch in Bulgarien (an dem von uns befahrenen kurzen Abschnitt bei Vidin) gut ausgeschildert. In Serbien geht man oft so weit, nützliche Tipps auf englisch zusätzlich auf die Schilder zu drucken, wie: „Alternativstrecke bis 600 Höhenmeter“, oder: „Wenn Du hier weiterfährst, wird Dich der Weg überallhin weiter führen“. In Rumänien scheint es keine Ausschilderung des Weges zu geben. Es gibt längere Strecken auf dem Deich auf Schotterwegen mit garantierter Schattenfreiheit (ab Höhe Pancevo). Nach zwei Tagen Fahrt macht dies nur noch wenig Spaß. Der Weg über Landstraßen ist möglich. Tipp: Autowaschanlage in Golubac am Touristen-Zentrum. Die bringen im Anschluss die Räder wieder super in Ordnung. Auf rumänischer Seite gab es noch einige unbefestigte Straßen. Man ist allerdings dabei, diese zu befestigen.

Es gibt ausreichend Unterkünfte (serbisch: Sobe). Einzig auf unserer Route durch Rumänien gab es zwischen Drobeta-Turnu Severin und Calafat keine Zimmer.

Die Straßen teilt man sich meist mit anderen Fahrzeugen. Wir sind in Serbien nur selten rücksichtslosen Fahrern begegnet. Gelegentlich hat man die Möglichkeit, auf dem Seitenstreifen zu fahren. Problematisch wird es auf Straßen mit viel LKW-Verkehr. Hier wird es manchmal eng, wenn sich Laster begegnen. In weiten Regionen (besonders an der Donau) begegnet man nur mäßigem Verkehr. Durch die Topografie Serbiens südlich der Donau mit den oft engen Tälern gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten vor dem oft starkem Verkehr. Der Straßenzustand ist im Allgemeinen recht gut. Zeitweise fährt man auf etwas ruckeligen Straßen, selten auf unbefestigten Pisten.

In den Dörfer, teilweise auch in den Städten leben viele streunende Hunde. Es kommt vor, dass diese im Rudel Radfahrer verfolgen, meist sind die Begegnungen unproblematisch.

Reparaturwerkstätten für Fahrräder sind in den Städten vorhanden. Diese haben allerdings oft nur begrenzte Möglichkeiten. Einen Vulkaniseur gibt es praktisch in jedem Ort. Man kommt in Serbien, wie auch in Rumänien und Bulgarien nur an Schläuche mit mit Standart- und Autoventilen. Prestaventile (Französisches, Sclaverand) sind praktisch nicht erhältlich. Wir hatten Probleme mit heruntergefallenen Akazienfrüchten, die sich in die Reifen bohrten. Pannenschutz macht Sinn.

In den Dörfern sind meist kleine Läden für eine Grundversorgung vorhanden. Oft bekommt man dort auch einen Kaffee und hat Sitzmöglichkeiten. Es gibt manchmal Cafés, selten Restaurants.

Südlich der Donau muss der Radwanderer teils kurze, teils längere starke Steigungen in Kauf nehmen. Die Mittagshitze nimmt im Sommer ab 13:00 Uhr stark zu. Viele Radwanderer verschieben ihre Fahrzeiten entsprechend.

Wir haben in Serbien kein vernünftiges Kartenmaterial für Radfahrer gefunden. Eine Straßenkarte, erhältlich z.B. in Buchläden in den Städten, war in Verbindung mit dem Wandernavi ausreichend. Für uns nicht relevant, aber vorhanden: Serbische Karten haben ggf. keine Grenzen zu Bosnien und zum Kosovo eingezeichnet. Die Einreise aus dem Kosovo soll problematisch sein. Die Kartenbasis für das GPS-Gerät von Openstreetmap für Serbien ist schon recht gut.

gesamter Track als gpx

Höhenprofil

Hier die Wegbeschreibung unserer Tour:

Donauradweg Belgrad-Kovin:
über Pancevo Brücke. Brücke mit Fahrrad befahrbar. Piste, außer Starcevo bis Ivanovo. 70km. Anstrengend. In Kovin mehrere Übernachtungsmöglichkeiten, wir: Hotel Grad, im Umbau.

Kovin – Veliko Gradiste:
Piste bis Dubovac. Straße bis Kanal DTD. Piste bis Fähre. Fähre: 300 Dinar. Ram: kurze starke Steigung, Straße, teilweise auf Damm. Bademöglichkeiten: Silbersee in Zatonje und Veliko Gradiste. In V.G. Strandpromenade, Touristinfo, Zimmer, Gastronomie, Fahrradwerkstatt

Veliko Gradiste-Golubac
Donaublick an mäßig befahrener Landstraße. Wenig Steigungen. Festung Golubac in Sicht. In Golubac Strandpromenade, reichlich Cafés, Unterkünfte, wenige Gaststätten, keine Hinweise auf Ausflüge zum Nationalpark Djerdap, keine Bootstouren. Letztes Wochenende im Juli: Donaufest mit Fischsuppe- Wettkochen, Folklore, Musik, div. Wettbewerbe (Zimmer knapp)

Golubac-Donji Milanovac
Route beginnt entspannt auf ebener Straße, durchquert die Festung Golubac. Weg am Sonntag Vormittag wenig befahren, zunehmend von Fahrzeugen mit rumänischen und italienischen Kennzeichen (auf dem Weg zum Arbeitsplatz). Nach Dobra erste Steigungen und einige kurze Tunnel. Ab der archäoligischen Ausgrabungsstätte Lepinski Vir (Ausstellung von Ausgrabungen eines Dorfes beim Bau des Djerdap Sees in einem überhitztem futuristischen Bau) Wegführung über schmale vielbefahrene Pfade mit großen Höhenunterschieden. Grund nicht bekannt, Weg kommt irgendwann wieder auf die Hauptstraße. Danach Passstrecke mit garantierter Schattenfreiheit. Nach Pass angenehme Abfahrt und wenig Steigungen bis Donji Milanovac. In D.M. Bademöglichkeit , Unterkünfte, Hotel, Gaststätten. Keine weiteren Möglichkeiten für Aktivitäten gefunden.

Donji Milanovac-Drobeta Turnu Severin
Immer entlang des Nationalparks, erst flach und schattig, mit zunehmender Attraktivität der Landschaft auch zunehmende stetige Steigung. Keine Verpflegungsmöglichkeiten. Lange Abfahrt vor Tekija. Dort erst wieder Restaurants, Läden und Bademöglichkeit. Strecke nur mäßig befahren, aufgrund der Steigungen anstrengend.
Wir verlassen den Donauradweg am Staudamm Djerdap 1 und wechseln nach Rumänien. Erste Kilometer am Seitenstreifen (ist meist ausreichend breit) auf viel befahrener Transitstrecke. Vor Drobeta Turnu Severin Einfahrt in die Stadt auf ruhiger Straße. Route am besten Wegweiser Zentrum, bis Kulturpalast, dann Promenade nach links. Viele Hotels, Pensionen, schöner Stadtkern.

Drobeta Turnu Severin-Vidin ( 2 Tage, 170km)
Ausfahrt aus der Stadt über stark befahrene Straße Richtung Bukarest, dann Abzweig auf weiterhin verkehrsreicher Route Richtung Calafat. Abzweig in Hinova. Vorbei an Pension „San und Gino“ (letzte offizielle Unterkunft). Haben auf halber Strecke in Gogosu Leute nach einer Übernachtung gefragt und hatten Glück, dass jemand für uns sein Bett räumte. Erste wirkliche Unterkünfte gibt es dann erst vor Calafat.
Wir hielten uns an die Straßen, die möglichst nah an der Donau entlang führten. Oft waren sie ganz neu asphaltiert, auf kurzen Strecken geschottert. Kaum Verkehr. Viel Kontakt mit Einheimischen. Am besten immer grüßen. Wird sehr gern erwidert. Versorgung in den Dorfläden sehr gut, auch Kaffee. Keine Restaurants. Melonen werden direkt vom Feld verkauft. Viele Roma in den Dörfern. Vor Calafat Dörfer scheinbar von Bulgaren bewohnt. Hunde sind auf der gesamten Strecke eine Plage.
Letzter Abschnitt wieder stark von LKW frequentiert, nicht ungefährlich. Calafat über neuen Verkehrknoten, Brücke zu erreichen. Hotels, Gastronomie und Pensionen im Ort. Keine Fähre mehr nach Vidin. Keine Wegweiser bzgl. des Donauradweges.
Schnelle Grenabfertigung nach Vidin über Brücke der Freundschaft. Verlängerung der Brücke wird zu Autobahn, daher Route über angrenzende Dörfer. Tagesstrecke 100 km. Vidin: Donaupromenade mit guten Restaurants, Eisverkäufern etc. Im Stadtkern Fußgängerzone mit einfachen Restaurants und Läden. Übernachtungstipp: Hotel Stari Grad innerhalb der Festung Vidin. Straßen in Bulgarien: an sich gut, viele unverhoffte tiefe Löcher. Preisniveau in Bulgarien recht niedrig.

Vidin-Zajezar
Ab jetzt Landweg, weg von der Donau. Städte verbindet eine direkte Straße. Wir wählten die Route links der Hauptstraße mit sehr wenig Verkehr, aber mehrfachen kräftigen Steigungen und Abfahrten. Schöne Aussichten auf Mittelgebirge. Laden nicht in jedem Dorf. Viele haben 12-16 Uhr geschlossen. Gute Verpflegungsmöglichkeiten in Kula. Ab Grenze zu Serbien lange Talfahrt bis fast nach Zajezar.
Zajezar: mittelgroße Stadt ohne besondere Attraktionen, viel los am Abend in den Cafés. Ausreichend Unterkünfte vorhanden.

Zajezar – Sokobanja
Aus Zajezar heraus auf mäßig befahrener Landstraße 5 in leicht hügeligen Gelände, viele LKWs. Vorbei an Weltkulturerbe Romuliana römische Ausgrabungen. Vor Boljevac steiler Anstieg. Wählten daher Nebenstraße durch Valakonje. In Boljevac Cafés und Einkaufsmöglichkeiten. Im Ort Abzeig zur Passstraße nach Sokobanja. Sofort steiler Anstieg mit folgenden Sepentinen bis auf 700 Höhenmeter. Für uns bedeutete das: ca. 15 km schieben. An ehemaliger Gaststätte kurzzeitig Gefälle, dann noch einmal Anstieg bis fast 800 Meter. Strecke zum Teil durch Wald, daher häufig schattig. Keine Cafés etc, eine Wasserstelle. Abfahrt bis Niko… auf schlechter Straße, dann auf Landstraße kurzer Anstig bis Sokobanja.
Sokobanja: Kur- und Erholungsort. Zahlreiche Hinweise auf Unterkünfte. Wir ließen uns durch Touristinfo am Ende der Fußgängerzone vermitteln. Sehenswert: Badestelle am Fluss, Park an Fußgängerzone (Fußbad im warmen Wasser möglich), türkisches Bad, Hamam, nutzbar für Kurgäste. Aktivitäten: Erlebnisbad Waterpark, Thermalbad Soko -Terme. Viele Cafés und Gaststätten. Unser Tipp: Zbonje & Schonje. Ort im Sommer gut besucht. Zimmer: Vila Vlasta, Prevalac 5, 018 833-914

Sokobanja-Krusevac
Ausschilderung Richtung Aleksinac. Strecke auf ganzer Länge recht stark befahren. Nervt mit der Zeit. Sehenswürdigkeiten (Kloster, Kirchen) gut ausgeschildert. Route führt vorbei am Bovansko-See, gute Bademöglichkeiten. Schöne Landschaft. Unbeschilderte Nebenstraße nach dem Ort Bovan führt nach Krusevac, Aleksinac wird ausgelassen. Nur eine kräftige Steigung vor Krusevac, ansonsten nur leichte Steigungen.

Krusevac-Vrnjačka Banja
Weg aus Krusevac gut gefunden. Kurzer Blick auf die Straße 5: geht mit dem Rad gar nicht, viel zu voll. Orientieren uns uns an der Landstraße nördlich des Flusses. Verkehr geht so, keine erheblichen Steigungen. Viele kleine Dörfer mit kleinen Läden. Immer wieder der Blick auf die umliegenden Gebirge und den Fluss. Badestelle gefunden und genutzt. Interessant: Brunnen in Bela Voda gleich gegenüber der Kneipe. Straßen teilweise etwas bucklig. Abzweig nach Vrjnacka Banja über den Fluss. Weiter über Nebenstraßen in den Ort.
Vrnjačka Banja: Erscheint gegenüber Sokobanja sehr groß, überfüllt. Abends tobt der Bär in den Cafés. Viel Livemusik. Ort ist mir irgendwie nicht so sympathisch. Vielleicht liegt es an der mir entgegenkommenden Unfreundlichkeit bei der Suche nach einem Zimmer, vielleicht an den vielen defekten Einrichtungen im Wellnescenter im Kurpark . Na ja, haben auch nette Leute getroffen. Jedenfalls reicht eine Nacht zur Besichtigung.

Vrnjačka Banja-Guca
Richtig wenig Verkehr ist in dieser doch relativ dicht besiedelten Gegend nicht zu erwarten. Wir nehmen die (bergige) Route über Cacak, allerdings die südlich verlaufende, etwas kleinere Straße. Es gibt reichlich Läden auf dem Weg. Je weiter wir uns Cacak nähern, grüßen uns die Leute und wünschen viel Spaß beim Festival. Nach dem Weg braucht man jetzt nicht nehr zu fragen. In Cacak ist der Verkehr enorm. Nach Guca geht es erst mal ein paar Kilometer nach oben. Wir schieben. Ab dem Kamm geht es dann ordentlich bergab Richtung Guca. Wir biegen hier erschöpft ab, um bei Grab unsere Unterkunft Veliki Grabowski aufzusuchen. Bis Guca sind es jetzt nur noch wenige Kilometer.

Guca
Serbien – Tagebuch

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