Vom Lost Place zur mondänen Stadt
Heute Nacht hatte sich der Regen glücklicherweise verabschiedet. Nur wärmer als gestern war es nicht.

Wir hatten uns heute mal eine längere Tour vorgenommen. Zunächst überquerten wir einen der höchsten Punkte des westpommerschen Seengebietes und wahrscheinlich den höchsten Punkt unserer Urlaubstour. 184 m!

Die Radwegbeschaffenheit war tadellos und der Rückenwind tat das seinige, wir erreichten bald den ersten Ort des heutigen Tages, Lułowo. Ziemlich flott ging es weiter und bald kamen wir in Borne Sulinowe an, der Attraktion unseres Tages. Der Ort Groß Born wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von den Deutschen als Kasernenstadt angelegt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er von der Sowjetischen Armee übernommen. Bis in die neunziger Jahre wussten angeblich nur wenige Polen von ihrer Existenz, die Stadt tauchte auf keiner Landkarte auf. Als die Russen abgezogen waren, begann man mit dem Umbau und der Umnutzung zu zivilen Zwecken. Das ist gelungen, ein lebendiger Ort ist entstanden. Das repräsentativste und größte Gebäude der Stadt, das ehemalige Offizierscasino kam leider nicht in den Genuss einer Nachnutzung. Es stand lange leer, wechselte mehrfach die Besitzer und brannte schließlich 2010 fast bis auf die Grundmauern aus. Ein noch immer beeindruckendes Gebäude und ein herrlicher Lost Place. Uns und einen ganzen Teil anderer Besucher störten die vielen Zutritt-verboten-Schilder ganz und gar nicht. Erstaunlich, wie viele Menschen sich für einen solchen Platz interessieren. Traurig ist der Verfall trotzdem, aber wer hätte ein solch riesiges Gebäude heutzutage nutzen sollen? Allein der Saal fasste bis zu 1000 Gäste. 2020 hat noch einmal ein neuer Besitzer das Gelände gekauft. Aber das ist wohl nur ein Spekulationsobjekt, zu retten ist da nichts mehr.










Nach diesem ausgiebigen Fotostopp machten wir uns wieder auf den Weg. Eigentlich wollten wir auch heute das Zelt aufstellen, aber der einzige Campingplatz von Szczecinek, unserem Ziel, lag sehr weit außerhalb der Stadt. Also entschlossen wir uns, ein Zimmer in der Stadt zu suchen. Neustettin empfing uns mit einer wunderschönen Seepromenade. Schöne Villen in gepflegten Grünanlagen ließen uns staunen. Da hatten wir doch die richtige Entscheidung getroffen! Nur ein Hotelzimmer in Seenähe war nicht zu bekommen. Da entdeckten wir ein Hostel nur 500 m vom See entfernt. Innen ganz neu, wir bekamen das Zimmer mit eigener Dusche und morgen früh macht der Chef persönlich Frühstück für uns.



Schreibe einen Kommentar