Ein spannender Tag
Da wir bis Novi Sad noch keinen Zeitdruck haben, entschlossen wir uns, noch einen Abstecher über Vukovar zu machen. Vor 26 Jahren waren wir schon einmal dort und entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung drei Jahre nach der Beendigung des Jugoslawienkrieges 1995. Viele Eindrücke hatten sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.
Zunächst mussten wir aber Bosnien verlassen. Dabei führte uns der Weg noch einmal über die Sava. Dann machten wir uns auf, den Fluss zu wechseln. Aufgefallen ist mir, dass es jenseits der bosnischen Grenze, auf kroatischer Seite, keine sichtbaren Kriegsschäden gab. Auch wenn viele Häuser renoviert waren, gab es doch einige verfallende oder gänzlich kaputte Häuser, an denen keine Einschusslöcher zu sehen waren. Die Fahrt war wegen der großen Hitze sehr anstrengend. Nach vielen kleinen Pausen erreichten wir Vukovar. Zunächst bezogen wir unser Hotel (zur Begrüßung wurden uns Melone und kaltes Gurkenwasser gereicht), dann machten wir uns auf Spurensuche.

Der berühmte Wasserturm, das Hotel „Dunav“, eine Ruine an der Ecke, an deren Fensterlöchern damals Geranienkästen standen und Schloss Eltz. All diese Orte wollten wir aufsuchen und sehen, was daraus geworden ist.

Zuerst gingen wir zum Wasserturm. Von weitem sah er aus wie 1998. Als wir näher kamen, staunten wir nicht schlecht, dass aus der Ruine ein Gedenkort geworden war. Man konnte hinein, wenn man wollte, sogar mit dem Fahrstuhl hinauf. Wir wählten die Treppe (bei 37°C im Schatten). In dem Turm befand sich ursprünglich auch ein Restaurant. Heute ist ein Stahlgerüst eingezogen und die Granaten- und Einschusslöcher sind mit Gittern und Scheiben gesichert. Auch über die Geschichte und den Umbau zum Denkmal kann man sich informieren. Der Höhepunkt war der Austritt aufs Dach.



Auf dem Weg in die Stadt staunten wir, wie viele Häuser wieder hergerichtet waren. Die Wohnhäuser am Rand der Innenstadt genauso wie Baulücken im Ortskern. Nicht alles, was neu entstanden ist, finde ich schön. Nur wenige Häuser trugen noch Kriegsschäden, die meisten davon waren verlassen. Einige waren aber tatsächlich bewohnt. Wir fanden das Eckhaus mit den Blumen und es ist nicht zu glauben: es sieht noch exakt so aus wie damals. Auch die Geranien sind noch da. Später lasen wir, dass dieses Haus, eine alte Apotheke, als Mahnmal dient. Jeden Tag muss dort jemand Blumen gießen. Vor lauter Ergriffenheit habe ich vergessen, ein Foto zu machen.
Um die Ecke stand das Hotel „Dunav“, in dem wir vor 26 Jahren übernachtet hatten. Es steht noch da, ist aber völlig entkernt.

Die Eingangstür stand offen, so dass wir mal ein paar Schritte in den Empfangsbereich wagen konnten. Aber es war alles zerstört. Die Messingrahmen der Eingangstüren waren mit Holz überklebt. So konnte man die Einschusslöcher, die uns damals sehr beeindruckt hatten, nicht mehr sehen. Andreas suchte und fand noch ein paar Fotopunkte von damals. Der letzte Ort unserer Erinnerungstour war dann Schloss Eltz. Wir konnten uns beide gar nicht an das schöne Gebäude erinnern. Ich habe es auf unserer Internetseite gesehen und beim Durchstöbern der Sehenswürdigkeiten von Vukovar die Ähnlichkeit erkannt. Dort fanden die größten äußerlichen Veränderungen statt. Andreas hatte echt Probleme, den Standpunkt des Fotos von damals wiederzufinden. Es sind große Veränderungen auch an der Bausubstanz vorgenommen worden. Die deutschen Besitzer (nach dem zweiten Weltkrieg enteignet) haben sich wirklich ins Zeug gelegt und um ihren ehemaligen Besitz gekämpft. So richtig einig ist man sich wohl immer noch nicht, aber es ist ein wahres Schmuckstück aus dem Anwesen geworden.
Ein Bild gibt es leider auch diesmal nicht.
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